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Sep

Die Fontan-Plattform: Revolution im Gesundheitswesen durch digitale Vernetzung

Die plattform Fontan ist mehr als nur eine digitale Lösung – sie ist eine strategische Antwort auf die Herausforderungen der modernen Kinderkardiologie. Seit ihrem Start 2019 hat sie sich als zentraler Hub etabliert, der Ärzte, Kliniken und Patienten in einem geschützten Umfeld verbindet. Der Fokus liegt dabei nicht auf reiner Datenübertragung, sondern auf der Schaffung eines geschlossenen Ökosystems, das komplexe Fallmanagement, Therapieplanung und interdisziplinäre Abstimmung vereinfacht. Besonders im Bereich der Fontan-Patienten – einer vulnerablen Gruppe mit langfristigen Folgeerkrankungen – bietet die Plattform strukturierte Workflows, die bisherige Lücken im ambulanten und stationären Versorgungsnetz schließen.

Das Kernkonzept basiert auf einer Kombination aus klinischer Expertise und technischer Innovation. Entwickelt wurde die Plattform in enger Zusammenarbeit mit Kardiologen, Pädiatern und IT-Spezialisten, die gemeinsam eine Lösung suchten, die über klassische EHR-Systeme hinausgeht. Die Datenbank integriert nicht nur standardisierte Parameter wie Herzfrequenz oder Blutdruck, sondern auch spezifische Fontan-induzierte Risikofaktoren wie pulmonale Hypertonie oder metabolische Störungen. Die digitale Dokumentation ermöglicht es, diese Daten in Echtzeit zwischen verschiedenen Standorten auszutauschen – etwa zwischen der Geburtsklinik, der Kinderkardiologie und der Rehabilitationseinrichtung. Ein konkretes Beispiel zeigt sich in der Stadt Wien: Hier nutzt das Universitätskinderspital Wien die Plattform, um nach einer Fontan-Operation den Übergang in die ambulante Betreuung zu optimieren. Durch die zentrale Speicherung aller Voruntersuchungen und Therapiepläne sparen Ärzte bis zu 30 Prozent Zeit bei Routineuntersuchungen, während die Eltern gleichzeitig besser über ihre Behandlung informiert werden.

Ein zentraler Erfolgsfaktor ist die Integration von Algorithmen zur Risikostratifizierung. Studien der Universitätsklinik Innsbruck zeigen, dass die Plattform in 68 Prozent der Fälle eine frühzeitige Erkennung von Komplikationen ermöglicht, bevor sie zu akuten Krisen werden. Besonders wertvoll ist dabei die Möglichkeit, personalisierte Warnmeldungen zu generieren – etwa bei Anzeichen einer Rechtsherzdekompensation oder einer erhöhten Infektionsanfälligkeit. Diese Proaktivität ist entscheidend, da Fontan-Patienten ein erhöhtes Risiko für lebensbedrohliche Komplikationen wie Herzinsuffizienz oder Thrombosen tragen. Die Plattform ergänzt dabei bestehende Leitlinien, indem sie klinische Empfehlungen mit patientenspezifischen Daten verknüpft. Ein weiteres innovatives Element ist die digitale Patientenakte, die Eltern und Betreuern Zugriff auf alle relevanten Unterlagen gewährt – von Röntgenbildern bis zu Ernährungsplänen. Dies reduziert nicht nur die Zahl der unnötigen Arztbesuche, sondern verbessert auch die Einbindung der Familien in die Therapie.

Doch die Plattform ist nicht nur ein Werkzeug für Ärzte und Pflegende, sondern auch ein zentraler Baustein für die Patientenkompetenz. Durch interaktive Module wie Online-Schulungen oder virtuelle Fallbesprechungen werden Eltern in die Behandlung eingebunden. Ein Beispiel hierfür ist das Programm „Fontan & Ich“, das in Kooperation mit der Österreichischen Herzstiftung entwickelt wurde. Hier lernen Eltern nicht nur, wie sie die Symptome ihrer Kinder erkennen, sondern auch, wie sie die Plattform selbst nutzen können, um Termine zu koordinieren oder Notfälle zu dokumentieren. Die Daten zeigen, dass solche Maßnahmen die Einhaltung von Therapieplänen um bis zu 25 Prozent steigern können – ein entscheidender Faktor, da viele Fontan-Patienten erst im Erwachsenenalter mit den Folgen ihres Operationen konfrontiert sind. Die Plattform unterstützt dabei auch die Transition in die Erwachsenenmedizin, indem sie die Übergangsprotokolle zwischen Kinder- und Erwachsenenkliniken digital abbildet.

Trotz dieser Erfolge steht die Plattform vor neuen Herausforderungen. Ein zentrales Thema ist die Integration in die bestehende Gesundheitsinfrastruktur, die oft noch stark auf analoge Prozesse setzt. Hier zeigt sich, dass die Plattform nicht nur eine technische Lösung, sondern auch eine kulturelle Veränderung erfordert. Viele Kliniken sind noch mit dem Gedanken konfrontiert, digitale Tools als „Zusatzaufwand“ zu betrachten – besonders in kleineren Praxen oder ländlichen Regionen. Um dies zu überwinden, setzt Fontan auf eine schrittweise Einführung mit Schulungen und Pilotprojekten. Ein konkretes Beispiel ist das Projekt in der Steiermark, wo die Plattform in Kooperation mit der Landesklinik Graz getestet wird. Hier wurde ein modularer Ansatz gewählt, bei dem zunächst nur die wichtigsten Funktionen freigeschaltet werden, um die Akzeptanz zu steigern. Die Ergebnisse zeigen, dass solche Ansätze die Adoption beschleunigen und gleichzeitig die Risiken einer zu schnellen Implementierung minimieren.

Zukünftig wird die Plattform voraussichtlich noch stärker in die digitale Gesundheitsversorgung eingebunden werden. Ein zentraler Baustein ist die Verbindung mit den neuen elektronischen Patientenakten (ePA), die ab 2024 in Österreich verpflichtend werden. Hier könnte die Plattform als Schnittstelle dienen, um Daten zwischen verschiedenen Akteuren zu synchronisieren. Zudem arbeitet Fontan an der Entwicklung von KI-gestützten Assistenzsystemen, die nicht nur Risiken erkennen, sondern auch individuelle Therapieempfehlungen basierend auf den Daten der Plattform generieren. Ein weiteres Ziel ist die internationale Ausweitung, da Fontan-Patienten oft über Grenzen hinweg behandelt werden müssen – etwa bei komplexen Eingriffen oder bei der Suche nach spezialisierten Zentren. Die Plattform könnte dabei eine zentrale Rolle spielen, um solche Netzwerke zu schaffen.

  • Die Plattform Fontan hat seit 2019 über 1.200 aktive Nutzer in Österreich und ist in 15 Kliniken und 20 Kinderkardiologien etabliert.
  • Durch die digitale Dokumentation und interdisziplinäre Abstimmung konnten die Komplikationsraten bei Fontan-Patienten in Studien um 30 bis 40 Prozent reduziert werden.
  • Die Plattform ermöglicht eine personalisierte Risikostratifizierung, die in 68 Prozent der Fälle eine frühzeitige Erkennung von Komplikationen ermöglicht.
  • Durch die Einbindung von Eltern in die digitale Patientenakte steigt die Einhaltung von Therapieplänen um bis zu 25 Prozent.
  • In Pilotprojekten wie der Steiermark konnte die Akzeptanz durch schrittweise Einführung und Schulungen deutlich gesteigert werden.